Eigene Brauerei gründen in 6 Schritten



1. Schritt: Lernen und Informationen sammeln

Versuchen Sie, so viele Informationen wie möglich zu sammeln und sich das nötige Know-how des Brauwesens zu erwerben. Erkundigen Sie sich bei den Bierbrauern, die diesen Weg bereits gegangen sind. Die Brauer können Ihnen sicherlich viele nützliche Tipps und Hinweise geben.

  • Bilden Sie sich mit Hilfe der Fachliteratur (Bücher und Magazine). Im Internet finden Sie zahlreiche Artikel zum Thema Craft Bier.
  • Nehmen Sie an einem Braukurs teil.
  • Suchen Sie sich gute Beispiele in der Praxis. Wenn möglich, treten Sie in Kontakt mit einem Craft Bier Brauer in Ihrer Gegend und schauen Sie sich das Bierbrauen live an.
  • Informieren Sie sich genau über die Gesetze, Regulierungen und Verordnungen bezüglich Alkoholproduktion und speziell über die rechtlichen Bestimmungen, die die Herstellung, den Ausschank und den Konsum von Bier in Ihrem Land regeln.

Lassen Sie sich Zeit mit der Entscheidungsfindung.

brauerei

Bierherstellung

2. Schritt: Richtigen Standort finden

Wenn Sie eine Brauerei gründen wollen, sollten Sie sich zunächst einmal fragen, wie viel Bier Sie brauen möchten bzw. verkaufen können.

  • Sind Sie ein begeisterter Bierliebhaber und möchten Ihr eigenes Bier als Hobby-Brauer herstellen?
  • Möchten Sie Ihre eigene Craft Brauerei errichten und Ihr Hobby zu Ihrem Beruf machen und damit auch Ihr Geld verdienen?

Nachdem Sie diese Entscheidung getroffen haben, können Sie sich auf die Suche nach einem passenden Standort für Ihre Brauerei begeben. Als Hobbybrauer benötigen Sie nicht viel Platz, nur vergessen Sie nicht die hygienischen Anforderungen zu beachten. Wenn Sie aber größere Pläne haben und Ihr Bier auch verkaufen möchten, dann ist die Wahl des geeigneten Standortes sehr wichtig.

Vergleichen Sie mögliche Standorte immer in Hinblick auf Ihren Businessplan. Wenn Ihre Brauerei nicht nur zur Herstellung der Produkte, sondern auch zum Ausschank des Biers oder als Gastraum dienen soll, dann müssen Sie damit rechnen, dass Sie später wahrscheinlich mehr Fläche benötigen werden. Planen Sie die Räumlichkeiten bereits in der Anfangsphase so, dass sie später mit zusätzlichen Behältern ergänzt werden können. Somit ist zu einem späteren Zeitpunkt die Vergrößerung der Kapazität ohne großen baulichen Aufwand möglich.

Eine durchdachte Anordnung aller Gebäudeelemente kann Ihnen später viel Zeit, Arbeit und zusätzliche Kosten ersparen.

Standort


Worauf sollen Sie besonders achten?

  • der Raum muß groß genug sein (nicht nur ausreichende Fläche, auch die Höhe des Raums ist wichtig);
  • einfacher Zugang (es ist sinnvoll, dass die Räumlichkeiten, in welchen gearbeitet wird, in einer Etage ohne großen Höhenunterschiede sind. Der Raum soll über ausreichend große Tür verfügen. An einen ungehinderten Zugang für Lieferfahrzeuge und genügend Platz zum Manövrieren mit einem Handstapler muss gedacht werden);
  • holen Sie alle erforderlichen Genehmigungen und Zulassungen ein. Die Liste der nötigen Genehmigungen ist von Land zu Land sehr unterschiedlich. Für Hobbybrauer (Hausbrauer) gibt es gewöhnlich keine besonderen Anforderungen, nur eine Begrenzung bei der Menge der Produktionsmenge pro Kalenderjahr. Wenn Sie aber Bier herstellen und gewerblich verkaufen möchten, informieren Sie sich zunächst genau darüber, welche Genehmigungen und Zulassungen sie brauchen.
  • einwandfreie Hygiene ist in der Brauerei von großer Bedeutung. Der Raum muss so eingerichtet sein, dass die Reinigung einfach ist (glatte und abwaschbare Bodenflächen mit Entwässerungskanälen, ausreichende Belüftung und Ableitung des Dampfes aus dem Raum, CO2 Absaugung im Gärbereich). Die Räumlichkeiten müssen allen vorgeschriebenen Bedingungen für Lebensmittelbetriebe entsprechen.

3. Schritt: Geeignete Brauausrüstung kaufen

Eigene Brauerei zu gründen ist aus finanzieller Sicht ein ziemlich anspruchsvolles Unterfangen. Umso wichtiger ist es, dass Sie von Anfang an klare Ausgangspunkte und Ziele haben.

  • Wie viel können Sie investieren?
  • Wie viel Bier möchten Sie brauen?

Wenn möglich, vereinbaren Sie einen Besuch bei einem Hersteller der Brauerei-Ausstattung und informieren Sie sich über die verschiedenen Ausführungen der Brauanlagen, Behälter und anderen Geräte.

Was benötigen Sie?


  • Malzmühle,
  • Sudhausanlage,
  • ausreichende Anzahl der Gär- und Reifebehältern,
  • Behälter für Aufbereitung und Lagerung von Wasser (Heiß- und Kaltwasser),
  • Kühlgerät,
  • Dampferzeuger,
  • Pumpe,
  • flexible Schläuche: zum Pumpen des Produkts in den Fermenter, zum Pumpen von Wasser,
  • Zubehör zum Abfüllen von Fässern, Flaschen,
  • Verpackung: Flaschen, Dosen, Kegs,
  • Etiketten für Flaschen und andere Verpackungen (einzigartige Etiketten sorgen dafür, dass Ihre Brauerei erkennbar ist, und enthalten alle erforderlichen Informationen zum Bier, einschließlich der Haltbarkeitsdauer).
brauerei ausstattung



4. Schritt: Einkauf hochwertiger Rohstoffe

Die Grundzutaten zum Bierbrauen sind Wasser, Malz, Hopfen, Hefe. Normalerweise reichen diese vier Bestandteile aus um gutes Bier zu brauen. Wer aber gerne experimentiert, kann auch andere Zutaten verwenden.


Wasser

Wasser ist der Hauptbestandteil des Bieres. Die Gewinnung und Aufbereitung sind für den Brauer von besonderer Bedeutung, da die Zusammensetzung des Wassers einen großen Einfluss auf die Qualität und den Charakter des Bieres hat. Für die Herstellung von Bier benötigen Sie qualitativ hochwertiges, chlorfreies und nicht zu hartes Trinkwasser mit möglichst wenig Inhaltsstoffen, die den Biergeschmack beeinträchtigen könnten.

Wir empfehlen es Ihnen, sich vor der Verwendung über die Qualität und Eigenschaften des Wassers zu informieren, das Sie als Brauwasser verwenden möchten. Die Wasseranalyse erhalten Sie in der Regel bei den zuständigen Behörden des Bezirks, wo Sie die Anlage aufbauen möchten. Wenn nötig kann das Wasser mit zusätzlichen Filtern behandelt werden, so dass die erforderliche Brauwasserqualität auch mit normalem Stadtwasser erreicht werden kann.

Wichtig ist auch der pH-Wert, den Sie während des Brauverfahrens, insbesondere in der Phase des Maischens von Zeit zu Zeit überprüfen sollen.

wasser



Malz

Malz ist gekeimtes Getreide. Normalerweise wird das Malz aus Gerste gewonnen, aber auch Weizen, Roggen und Buchweizen können verwendet werden. Verschiedene Gerstensorten und verschiedene Röstverfahren (je nach Feuchtigkeitsgrad, Temperatur und Dauer) ermöglichen die Zubereitung verschiedener Malzsorten.

Das Malz beeinflusst das Aroma, den Geschmack, die Farbe und die Textur des fertigen Biers.

Vor Beginn des Brauens muss das Malz (das gekeimte Korn) in der Schrotmühle zerkleinert werden. Es ist wichtig, dass  der Mehlkörper im Korn gut zerkleinert wird. Die Spelze (Hülse der Korns) soweit als möglich erhalten bleibt, da diese Spelze im späteren Brauprozess als natürliche Filterschicht dienen soll.

malz
Malz



Hopfen

Hopfen ist das Gewürz des Bieres und sorgt für den mehr oder weniger bitteren Geschmack des Bieres. Zudem beeinflusst er die Schaumkrone und erhöht die Haltbarkeit des Getränks.

Die Hopfensorten lassen sich in zwei Kategorien einteilen, die Bitterhopfen und die Aromasorten. Für Bierbrauer sind sie in verschiedenen Formen erhältlich, in unverarbeiteter Form (getrocknete Hopfenblüten), als Hopfenpellets oder als Extrakt in flüssiger Form.

Die Wahl des geeigneten Hopfens, die richtige Dosierung und die Zugabe von Hopfen in den verschiedenen Stufen des Brauprozesses haben einen erheblichen Einfluss auf das endliche Geschmacksprofil des Bieres.

hopfen
Hopfenpellets



Hefe

Die Hefe ist ein einzelliger Pilz und vermehrt sich durch Sprossung. Ihre Funktion in der Brauerei besteht aber darin, dass sie bei der Gärung den in der Würze vorhandenen Malzzucker in Alkohol und Kohlensäure umwandelt. Die Hefe prägt auch das Aroma des Biers maßgeblich mit.

 

Die Unterschiede zwischen den verschiedenen Hefegruppen liegen in der Art der Vermehrung:

  • obergärige Hefen vergären bei höheren Temperaturen und steigen während der Gärung nach oben, da sie bei der Vermehrung Sproßverbände bilden und durch das entstehend CO2 Gas nach oben getrieben werden Die obergärige Hefe wird bei der Herstellung von Weizenbier, Stout, Ales, etc. verwendet
  • untergärige Hefen, vergären bei niedrigeren Temperaturen und sinken an den Boden des Gärtanks. Die untergärige Hefe wird bei der Herstellung von Pils, Helles, Märzen etc. verwendet.

Die Bierhefe gibt es in zwei Formen:

  • Trockenhefe (ist länger haltbar und lässt sich sehr einfach und zuverlässig nutzen)
  • Flüssighefe (geeignet für Fortgeschrittene Brauer und Brauexperten)
bierhefe


5. Schritt: Brauen und Rezepte

Wenn die Dokumentation erledigt ist, der Raum mit Brauausrüstung vorbereitet und alle nötigen Rohstoffe auf Lager, dann ist die Zeit für den kreativeren Teil des Geschäfts – das Bierbrauen.

Ein Brauexpert werden Sie nicht über Nacht. Bierbrauen erfordert viel Wissen, Erfahrung und Kreativität. Wir empfehlen Ihnen, von erfahrenen Brauern zu lernen. Viele Tipps und Rezepte finden Sie online und in der Fachliteratur.

 

Beginnen Sie mit einfachen, bereits geprüften Rezepten. Wenn Sie mehr Erfahrung haben, können Sie sich auf den Weg des Experimentierens begeben und Biere nach eigener Inspiration und Geschmack kreieren.

Machen Sie Notizen. Notieren Sie alles was Sie machen, welche Mengen und Sorten Malz, Hopfen, Hefe, oder andere Zutaten Sie verwenden. Schreiben Sie die technologischen Verfahren (die Temperatur und Dauer der einzelnen Rasten), die Messungen und alle wichtigen Beobachtungen. Bewerten Sie die Rezepte jedes Mal und vor allem berücksichtigen Sie das Feedback Ihrer Biertrinker.

Sorgfältig gesammelte Informationen werden später ein Datenschatz von unschätzbarem Wert. Sie werden Ihnen bei der Suche nach optimalen Kombinationen hilfreich sein und Ihnen einen bewährten Kompass zum weiteren Experimentieren und Verbessern darstellen.

Der Reiz der Craft Brauerei liegt darin, dass sie immer etwas Neuen anbieten kann, vielfältige Kombination von Zutaten, neue Geschmacksrichtungen, innovative Lösungen, immer neue Herausforderungen.

bier brauen



6. Schritt: Bier auf den Markt bringen

Sie haben eigenes Bier. Wie geht`s weiter?
 

Gutes Bier brauen reicht nicht aus. Sie müssen jetzt Ihre individuelle Marketingstrategie entwickeln um die Brauerei bekannt zu machen. Sie benötigen einen Brauereinamen, ein Logo, die Verpackung, stylische Bieretiketten.

Wenn Sie selber nicht genügend kreative Energie haben, empfehlen wir Ihnen, sich an die Grafikdienstleister zu wenden, die Ihnen bei der Herausbildung der eigenen Identität Ihrer Brauerei helfen werden.

Der Bekanntheitsgrad spielt eine wesentliche Rolle. Präsentieren Sie Ihre Brauerei und Biere auf einer Website und nutzen Sie die sozialen Netzwerke um sich dort zu präsentieren und potenzielle Kunden auf sich aufmerksam zu machen. Nutzen Sie auch vielfältige Betriebsmöglichkeiten, um Ihr Bier an die Kunden zu bringen: Vertrieb in der eigenen Brauerei, Vertrieb über Online Shops, Craft-Beer-Bars, Kneipen, Clubs… Es gibt eine Reihe von Craft Beer Festivals und Messen, wo Sie Ihre Biere präsentieren können.
eigene Biermarke



»Seien Sie kreativ, um bemerkt zu werden!«

 

In diesem Artikel haben wir Ihnen nur grundlegende Hinweise gegeben. Im Internet und in der Fachliteratur finden Sie umfassende Informationen zum Bierbrauen, zur Brauausrüstung und zu den Rohstoffen sowie über die Gesetzgebung, die das Brauwesen in Ihrem Land regelt.

Sie sollen nicht mit zu großen Schritten anfangen. Schaffen Sie sich zuerst etwas Kapital und ein zuverlässiges Vertriebsnetz. Sorgen Sie dafür, dass Ihre Brauerei und Ihre Biere erkennbar werden. Erst wenn alle diese Faktoren auf der positiven Seite stehen, ist es an der Zeit, über eine Erhöhung der Produktionskapazitäten nachzudenken.

 

Richtige Grösse der Brauanlage wählen

Plattenwärmetauscher für Brauereien